Welch Ironie – Aussatz und Corona

Faschingssonntag 2021

1. Lesung: Lev 13, 1-3, 43f

1 Der HERR sprach zu Mose und Aaron: 2 Wenn sich auf der Haut eines Menschen eine Schwellung, ein Ausschlag oder ein heller Fleck bildet und auf der Haut zu einem Anzeichen von Aussatz wird, soll man ihn zum Priester Aaron oder zu einem seiner Söhne, den Priestern, führen.

43 Der Priester soll ihn untersuchen. Stellt er auf der Hinterkopf- oder auf der Stirnglatze eine hellrote Aussatzschwellung fest, die wie Hautaussatz aussieht, 44 so ist der Mensch aussätzig; er ist unrein. Der Priester muss ihn für unrein erklären; sein Kopf weist das Anzeichen auf. 45 Der Aussätzige mit dem Anzeichen soll eingerissene Kleider tragen und das Kopfhaar ungekämmt lassen; er soll den Bart verhüllen und ausrufen: Unrein! Unrein!

Evangelium: Mk 1, 40-45

40 Ein Aussätziger kam zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du mich rein machen. 41 Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will – werde rein! 42 Sogleich verschwand der Aussatz und der Mann war rein. 43 Jesus schickte ihn weg, wies ihn streng an 44 und sagte zu ihm: Sieh, dass du niemandem etwas sagst, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring für deine Reinigung dar, was Mose festgesetzt hat – ihnen zum Zeugnis. 45 Der Mann aber ging weg und verkündete bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die Geschichte, sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

Eine Ironie, was die katholische Leseordnung für den Faschingssonnstag 2021 vorsieht: Aussatz. Wer denkt nicht an die Corona-Pandemie, die seit ziemlich genau einem Jahr unser Leben beeinträchtigt.

Aussatz, was immer das war, galt in alttestamentlicher und auch in neutestamentlicher Zeit als hoch ansteckende Krankheit. Die Kranken mussten sich kennzeichnen und sich von den Gesunden fernhalten. Zuvor hatte ein Priester die Diagnose Aussatz zu stellen. Mit Aussätzigen wollte niemand in Berührung kommen.

Über Aussatz sagt der NetDoktor: „Die Lepra (Aussatz) ist eine bakterielle Infektionskrankheit, welche die Haut, Schleimhäute und Nervenzellen in Mitleidenschaft zieht. Der Erreger der Lepra-Krankheit ist das Mycobacterium leprae. In den Ländern der Dritten Welt geht man von fast einer Millionen Menschen Lepra-Kranken aus. Anders als viele glauben, handelt es sich beim Aussatz nicht um eine hochansteckende Krankheit. Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung der Krankheit ist die Prognose günstig.“ [https://www.netdoktor.de/krankheiten/lepra/]

Ende des 19. Jahrhunderts gab es in einigen Ländern Europas noch die Lepra, war aber stark rückgängig.

Mir ist das Thema Lepra von den geistlichen Abendlesungen im katholischen Internat in Erinnerung, als einige Wochen aus einem Buch über den Lepra-Priester Damian de Veuster gelesen wurde. „Der Ordenspriester Damian de Veuster kümmerte sich ab 1873 um etwa 600 ausgestoßene Leprakranke auf der Hawaii-Insel Molokaʻi und wurde so zum „Apostel der Leprakranken“. Er infizierte sich und starb 1889 an den Folgen. Heute wird er als Heiliger verehrt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Lepra]

Heute machen wir regelmäßig Corona-Schnelltests; fallen sie negativ aus, dürfen wir eingeschränkt unsere sozialen Beziehungen weiterleben. Fallen sie positiv aus, wird ein weiterer aussagekräftiger Test verordnet. Bestätigt sich die Infektion, müssen wir uns behördlich absondern, bis wir frei vom Corona-Virus sind.

Die Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen, die uns verordnet sind, sind zweifelsohne im Grunde genommen notwendig und sinnvoll. Was sie nicht bewirken sollen, sind das langsame Sterben der sozialen Beziehungen und Vereinsamung.

Was keinesfalls weiterhilft, sind selbstgerechte Schuldzuweisungen wie: „Schau, wie unvorsichtig der ist“, „Was muss die auch jetzt dorthinfahren“, „Können die nicht die Maske ordentlich aufsetzen“, „Diese Tiroler, diese Wiener …“ – Die Verführung, so zu denken und zu reden, ist sehr groß. Wie so oft sollte man, bevor man spricht oder schreibt, daran denken: Ist es wahr? – Ist es hilfreich? – Ist es inspirierend? – Ist es notwendig? – Ist es freundlich?

Vgl. auch: „Die drei Siebe“

https://www.zeitblueten.com/news/die-drei-siebe-des-sokrates/

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von LEO ERTL