Das Gleichnis vom Sämann

Mt 13,1-23

Evangelium vom 5. 7. 2020

Das Gleichnis vom Sämann: 13,1–9

131 An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. 2 Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. 3 Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. 4 Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. 5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; 6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. 7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. 8 Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. 9 Wer Ohren hat, der höre!

Sinngebung für die Gleichnisrede: 13,10–17

10 Da traten die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? 11 Er antwortete ihnen: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; ihnen aber ist es nicht gegeben. 12 Denn wer hat, dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. 13 Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen. 14 An ihnen erfüllt sich das Prophetenwort Jesajas: Hören sollt ihr, hören und doch nicht verstehen; / sehen sollt ihr, sehen und doch nicht einsehen.15 Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden. / Mit ihren Ohren hören sie schwer / und ihre Augen verschließen sie, / damit sie mit ihren Augen nicht sehen / und mit ihren Ohren nicht hören / und mit ihrem Herzen / nicht zur Einsicht kommen / und sich bekehren und ich sie heile. 16 Eure Augen aber sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören. 17 Denn, amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann: 13,18–23

18 Ihr also, hört, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet. 19 Zu jedem Menschen, der das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; bei diesem ist der Samen auf den Weg gefallen. 20 Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt; 21 er hat aber keine Wurzeln, sondern ist unbeständig; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er sofort zu Fall. 22 In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört, und die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum ersticken es und es bleibt ohne Frucht. 23 Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht – hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.


Was wird denn ausgesät?

Zum Gleichnis vom Sämann ist schon vieles gesagt worden und Jesus deutet es ja selber auch (13,18-23). Vielleicht ist es aber angebracht, einmal zu fragen, was denn gesät wird. Im Text ist es das Wort vom Reich Gottes, das von Jesus ausgesät wird. Aber wer sind heute die Seemänner und Seefrauen und was säen sie aus, wie sähen sie?

Wer säht aus, wer verkündet das Wort vom Reich Gottes? – Da könnte ich alle Mitglieder der Ämterhierarchie vom Papst abwärts nennen, die Religionslehrerinnen und -lehrer und alle weiteren Menschen, die im weitesten Sinne in der Verkündigung tätig sind. Da herrscht Einigkeit, außer, wenn es um Kompetenzen geht.

Anders sieht es beim „Was“ und „Wie“ aus. – Sähen all die VerkünderInnen wirklich das Wort Gottes? Gewinnt man nicht manchmal den Eindruck, dass undurchdachte Worthülsen, reines Blabla ausgesät wird? Oder dass es Sandkörner und Steinchen sind, aus denen nie eine Frucht aufgehen wird? Dass es manchen mehr um Gesetze und Tradition geht als um Leben? Dass das Religiöse vermieden wird zugunsten von schönen Geschichten, Bildern etc. Wie sollte bei diesen Extremen das Wort Gottes aufgehen können?

Manche Menschen wenden sich ab, wenn sie merken, dass hinter schönen Worten nichts Echtes und Lebendiges ist, oder man ihnen mit Gesetz und Tradition kommt, die in ihrer Lebenssituation nicht hilfreich sind. Ich kenne auch den Vorwurf von Menschen an die Kirche, diese habe sich (aus Opportunitätsgründen) auf das Soziale (Diakonie) verlegt und würde ihre anderen Grundfunktionen (Verkündigung, Feier) verwahrlosen lassen. In der Schule als Religionslehrer habe ich neben dem Vorwurf, die religiösen Themen des Unterrichts seien uninteressant, auch die gegenteilige Kritik gehört, dass die religiöse Dimension zu kurz käme.

Die Verkündigung des Wortes vom Reich Gottes ist nicht leicht und niemand versteht alles und kann vollkommen hinter allem stehen. Dazu kann ich als Ermunterung einen Satz von Roger Schütz, dem früheren Prior von Taizé, anführen:

Lebe das vom Evangelium, was du begriffen hast, und wenn es auch nur ganz wenig wäre.

Roger Schütz

Und ich möchte ergänzen: Sage es weiter, wenn Du es begriffen hast.

Vgl.

http://www.predigtkasten.de/P170219.htm

http://www.karl-sendker.de/pdf%20Impulse%2012-%201%20Das%20Gleichnis%20vom%20Saemann%20%20Mk%204,1-9.pdf

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