1. Fastensonntag 2020

Evangelium

Mt 4,1-11

1 Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden.

2 Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.

3 Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.

4 Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.

5 Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel

6 und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, / und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, / damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.

7 Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.

8 Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht

9 und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.

10 Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.

11 Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.

Führe uns in der Versuchung

Jesus fastet 40 Tage in der Wüste. Frei von jeglicher Ablenkung prüft er seine Bestimmung. Ihm wird vermutlich immer deutlicher bewusst, dass ihn sein Weg ans Kreuz bringen wird, ein Weg, den man nicht einfach zur Kenntnis nimmt. Fasten bewirkt eine größere Sensibilität, der Fastende ist ganz auf sich zurückgeworfen, und wird so auch für die Versuchungen offen, die darauf abzielen, ihn vom sich abzeichnenden Weg abzubringen. Jesus wird in dreifacher Weise versucht: 

  • Jesus soll aus Steinen Brot machen: die Versuchung zum Materiellen (Materialismus), die Versuchung/der Irrweg, unsere gesamten Bedürfnisse mit Essen, Trinken, materiellen Besitztümern erfüllen zu können
  • Jesus soll vom Tempel springen: die Versuchung, die Macht Gottes zu missbrauchen, die Versuchung, ein Spektakel in Szene zu setzen und selbst dabei im Mittelpunkt zu stehen 
  • Jesus soll sich vor dem Teufel niederwerfen: die Versuchung zur Macht, die Versuchung, aus eigener Macht Glück und Erfüllung zu finden

Gleich nachdem Jesus von Gott die Zusage „Du bist mein geliebter Sohn“ erhalten hat, wird er versucht. Die Versuchungen Jesus zeigen zunächst, dass Jesus wirklich Mensch ist und daher neben Schmerz, Enttäuschung, … auch Versuchungen kennt (was der Aufregerfilm „Die letzte Versuchung Christi“ von Martin Scorsese aus dem Jahre 1988 ausführlich dargestellt hat). Dass Jesus den Versuchungen widersteht, zeigt andererseits auch, dass er aus einer besonderen göttlichen Kraft heraus gelebt hat.    

Die Versuchungen laufen darauf hinaus: Jesus soll sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Er soll danach trachten, möglichst mächtig zu werden, er soll sein Glück selbst in die Hand nehmen und soll sich nicht darauf verlassen, dass sich Gott um ihn kümmert. Der Glaube an Gott, an einen Gott, der sich um die Menschen kümmert, steht auf dem Spiel.

Wege zur Erfüllung

In der dramatischen Erzählung von den Versuchungen Jesus geht es nicht nur um Jesus. Es geht um die Frage, welche Wege zu einem erfüllten Leben und zu echtem Glück führen und welche Wege Holzwege sind.

Die Versuchungen: Suche mit allen Mitteln dein Glück, sei auf deinen Vorteil bedacht, arbeite an deiner Karriere, mach dir einen Namen. Religion und Mitmenschlichkeit können dir dabei helfen, aber stelle sie nicht über deine eigenen Interessen.

Finden wir auf diese Weise wirklich zu einem erfüllten Leben? Oft denken wir tatsächlich so: Wenn ich beruflich ganz oben bin, dann kann ich mich zurücklehnen und mein Leben genießen. Wenn ich mir einen guten Namen gemacht habe (in der beruflichen Welt, in der Wissenschaft, im Sport, in der Kirche …), dann werde ich zufrieden sein. Wenn ich bei allen beliebt bin, dann kann ich mit mir selber zufrieden sein. Wenn ich diese „Abenteuer“ noch „erledigt“ habe, dann bin ich endgültig erfüllt („Powerplay des Lebens“).

Das Problem ist nur: Sobald wir das Ersehnte erreicht haben, stellt es sich als Schein heraus. Die Träume, denen wir nachgejagt haben, zerplatzen wie Seifenblasen. Nun kommt das Eigenartigste: Wir geben uns schon wieder den nächsten Illusionen hin.

Jesus widersteht den Versuchungen, weil er weiß, dass der Mensch nur dort zur Ruhe kommt, wo er Gott findet. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, von seinen Besitztümern, seiner Karriere, seinem Ansehen und seiner Macht. Selbst menschliche Liebe und Sympathie stellen ihn nicht endgültig zufrieden. Erst wenn ein Mensch sieht, dass Gott ihn freundlich ansieht und Du zu ihm sagt („Du bist mein geliebter Sohn/meine geliebte Tochter“), kommt die Sehnsucht zur Ruhe. Das Glück liegt in Gott, weil der Mensch durch Gott vollkommene Annahme erfährt und so lernt, sich selbst anzunehmen und die Möglichkeiten, die in ihm stecken, zu entdecken. Er bekommt eine andere Sicht der Wirklichkeit. Die Welt ist eine wunderbare, voller Geheimnisse, aus Liebe geschaffen. Die Menschen blühen auf, wenn man sie freundlich behandelt.

Jesus hätte sicher auch lieber ein angenehmes Leben geführt, aber er war sich dessen bewusst, dass er auf Gott vertrauen und setzen kann, und musste nicht all die Irrwege gehen. Er wusste, dass er nicht auf die eigene Macht setzten muss. Sein Glaube an Gott Vater hält Stand.

Vgl. https://peter-hirschberg.de/artikel/32/mt-41-11-die-versuchungen-jesus

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