Im Irrtum? – Mariä Empfängnis

Mariä Empfängnis, ein katholisches Hochfest und in Österreich auch ein gesetzlicher Feiertag, wird seit 1708 (Papst Clemens XI) in der ganzen katholischen Kirche am 8. Dezember gefeiert. Pius IX verkündete 1854 das Dogma der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter Maria. Damit wurde das Fest um einen weiteren Aspekt angereichert.
Der volle Name des Festes lautet heute „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“.

Kaiser Ferdinand III erhob 1647 Mariä Empfängnis am 8. Dezember zum Feiertag, weil Wien während des Dreißigjährigen Krieges von einer Fremdherrschaft verschont geblieben war. Maria wurde zur Schutzheiligen Österreichs. In der Nazi-Zeit wurde der Feiertag abgeschafft, im Jahr 1955 aber wieder eingeführt.

Mariä Empfängnis gedenkt der Empfängnis Mariens durch ihre Mutter Anna. Das Fest und das Dogma sagen, dass Maria von Beginn an von der Erbsündhaftigkeit verschont blieb, weil es Gottes Wille war, und auch in ihrem Leben sündenlos blieb.

Unter Ersbündhaftigkeit kann der Einfluss des Bösen auf jeden Menschen von Anfang an verstanden werden, der dazu führt, dass alle Menschen auch schlechte Taten begehen. Die Erzählung in Genesis 3 vom Fall des Menschen schildert in bildhafter Weise, wie die Sünde in die Welt kommt, weil ein Gebot Gottes übertreten wird. In Genesis 4 kommt in der Erzählung von Kain und Abel (Brudermord) zum Ausdruck, wie sich die Sünde verheerend auswirken kann. Diese begonnene Unheilsgeschichte findet ihren Fortgang, z. B. in der Erzählung vom Turmbau von Babel (Gen 11, 1-9), in der es um den Größenwahn und die Überheblichkeit der Menschen geht.

Neben der Unheilsgeschichte versucht Gott immer wieder auch eine Heilsgeschichte mit den Menschen zu schreiben, indem er z. B. Propheten beruft, die die Menschen auf die rechen Wege bringen sollen. Auch Jesus ist im weiten Bogen dieser Heilsgeschichte zu sehen.

Die Sündenlosigkeit Mariens ist eine der theologischen Voraussetzungen, dass sie ein ganz besonderes Kind gebären kann, Jesus, Sohn Gottes, Mensch und Gott zugleich. Noch viel stärker wird die göttliche Herkunft Jesu durch das Motiv der Jungfrauengeburt (Lukas 1, 26-38) mit der Kernaussage: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.“ (Lk 1, 35) betont.

Sündenlosigkeit Mariens und Jungfrauengeburt verweisen auf Jesu göttliche Herkunft, wobei aber festzuhalten ist, dass Jesus auch wahrer Mensch war. Die Kirche hielt schon früh fest: Jesus war wahrer Gott und wahrer Mensch.

Im langen Titel des Festes ist eine dritte Aussage: „Gottesmutter Maria“. Die Kirche hat auch schon früh festgehalten, dass Maria „Gottesmutter“ oder auch „Gottesgebärerin“ genannt werden kann.

Die früher intensiven Überlegungen und Auseinandersetzungen zu den Themen Erbsünde, Jungfrauengeburt, aber vor allem zur Frage, wie Jesus zugleich Mensch und Gott sein kann, ob Maria „Gottesgebärerin“ genannt werden kann, sind für die meisten heutigen Menschen nicht mehr nachvollziehbar.

Heute lesen wir aus den Evangelien, dass Gott sich durch die Menschwerdung Jesu ganz auf das Menschliche einlässt und die Menschen, besonders die Aussenseiter am Rande der Gesellschaft, zu Wegen des Heils einlädt. Die Werte, die diesen Weg kennzeichnen, sind Mitmenschlichkeit, Verständnis, Gewaltlosigkeit, Feindesliebe, Vorurteilslosigkeit, Courage, Verantwortung u. a. – Alle Menschen sind eingeladen, Wege des Heils zu gehen. Jedes Kind, jeder Erwachsene hat einen göttlichen Funken ins sich, der es/ihn dazu beruft. Die in irgendeiner Weise am Rande stehen, können Hoffnung schöpfen.

<- Bild:

Unbefleckte Empfängnis

Bartolomé Esteban Murillo (1617-1682)

Maria triumphiert über die Sünde, vom Kosmos anerkannt und gewürdigt (Krone der Sterne, Aura der Sonne, Mond als Fußschemel)

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